Technische Ratgeber · 3 Min. Lesezeit
Incoterms und weltweiter Versand von Naturstein – Leitfaden für Architekten
Der internationale Handel mit Naturstein erfordert ein klares Verständnis der Incoterms, Verpackungsmodalitäten und Zollvorschriften. In diesem Leitfaden erläutern wir die wichtigsten Lieferbedingungen – EXW, FOB, CIF und DAP – und zeigen, wie Sie 20-Fuß-Container, A-Frames, Bundles und offene Kisten optimal nutzen. Wir geben typische Gewichtsangaben, HS-Codes, Transitzeiten zu den wichtigsten Märkten und Hinweise zu Versicherung und Zollformalitäten. Dieser praxisorientierte Ratgeber richtet sich an Architekten, Designer, Bauunternehmer und Käufer, die Naturstein aus Carrara weltweit versenden oder beziehen wollen.
1. Überblick über die Incoterms
Die Incoterms definieren die Verantwortlichkeiten von Verkäufer und Käufer bei internationalen Lieferungen. Für Naturstein aus Carrara sind die häufigsten Bedingungen EXW (Ex Works), FOB (Free On Board), CIF (Cost, Insurance & Freight) und DAP (Delivered At Place). Jede Regelung legt fest, wer die Kosten trägt, wann die Gefahr übergeht und welche Formalitäten zu erledigen sind.
2. EXW – Ex Works – Carrara
Unter EXW liefert der Verkäufer die Ware am Werk in Carrara. Der Käufer trägt sämtliche Kosten und Risiken ab dem Zeitpunkt, wenn die Ware im Werk bereitsteht. Das bedeutet, dass der Käufer die Abholung, den Transport zum Hafen, die Verzollung und die Weiterverteilung selbst organisiert. Für 20-Fuß-Container beträgt das typische Bruttogewicht 25–27 t, wobei die Ladefläche von 5,9 m × 2,4 m genutzt wird. A-Frames sind hier besonders sinnvoll, um große Blöcke sicher zu stapeln.
3. FOB – Free On Board – Marina di Carrara / La Spezia
FOB legt fest, dass der Verkäufer die Ware bis zum Anlegen am Schiff im Hafen von Marina di Carrara oder La Spezia liefert. Der Käufer übernimmt ab diesem Punkt die Kosten und Risiken. Für den Export von Carrara-Marmor sind die HS-Codes 2515 (Marmor) und 2516 (Granit) üblich. Die Versicherung kann optional im CIF-Preis enthalten sein, ansonsten muss der Käufer eine Seeschutzversicherung abschließen.
4. CIF – Cost, Insurance & Freight – Zielhafen
CIF kombiniert Kosten, Versicherung und Fracht bis zum Zielhafen. Der Verkäufer trägt die Kosten für die Seefracht, die Grundversicherung und die Lieferung bis zum Hafen des Käufers. Der Käufer übernimmt die Kosten ab dem Zielhafen. Für den Export nach USA, Asien oder Afrika beträgt die Transitzeit 15–25 Tage, je nach Zielhafen. Die HS-Codes 6802 (Steinblock) werden häufig für offene Kisten verwendet.
5. DAP – Delivered At Place – Zielort
DAP bedeutet, dass der Verkäufer die Ware bis zum vereinbarten Zielort liefert, ohne die Zollformalitäten zu erledigen. Der Käufer übernimmt die Einfuhrzollabwicklung und die Kosten ab dem Zielort. Für Projekte in der MIDDLE EAST oder in der USA ist DAP oft die bevorzugte Option, da der Verkäufer die Logistik bis zum Terminal übernimmt, der Käufer die letzte Etappe selbst organisiert.
6. Verpackung und Transport – A-Frames, Bundles, Crates und offene Kisten
Für 20-Fuß-Container empfiehlt sich die Verwendung von A-Frames, um große Blöcke sicher zu stapeln. Bundles (Ketten) sichern die Blöcke zusätzlich. Für kleinere Fliesen oder Platten werden robuste Kartons (Crates) eingesetzt. Offene Kisten (Open-Top) sind ideal für große Blöcke, die nicht in Kartons passen. Alle Verpackungen sollten mit Schaumstoff, Gummi oder Holzpolstern ausgekleidet sein, um Stoßschäden zu vermeiden.
7. Versicherung und Zollformalitäten
Bei FOB und CIF ist die Seeschutzversicherung obligatorisch. Für DAP und EXW kann der Käufer eine private Versicherung abschließen. Die Zollformalitäten variieren je nach Land: In den USA sind die HS-Codes 2515/2516/6802 relevant, in der EU gelten die EU-Tarifnummern. Die Transitzeiten betragen in der Regel 15–25 Tage, wobei zusätzliche 5–7 Tage für die Zollabfertigung anfallen können.
8. Transitzeiten zu den wichtigsten Märkten
- Middle East: 18–22 Tage (inkl. Zoll)
- USA: 20–25 Tage (inkl. Zoll)
- Asien: 15–20 Tage (inkl. Zoll)
- Afrika: 22–28 Tage (inkl. Zoll)
Die Zeiten können je nach Hafen, Wetter und Zollverfahren variieren.
9. Glossar der wichtigsten Begriffe
A-Frame – Stützrahmen zur sicheren Stapelung von Naturstein
Bundle – Kette aus Gummi oder Kunststoff zur Fixierung von Blöcken
CIF – Cost, Insurance & Freight
EXW – Ex Works
FOB – Free On Board
HS-Code – Zolltarifnummer
IPI – International Packing Index
LCL – Less than Container Load
ODU – Open-Top Delivery Unit
SOP – Standard Operating Procedure
TLC – Transit Loading Certificate
Zoll – Einfuhrabfertigung
FAQ
Welche Incoterm ist am günstigsten für mich als Käufer?
Das hängt von Ihrer Logistik ab. Für Käufer, die die Kontrolle behalten wollen, ist EXW sinnvoll. Für mehr Service und weniger Risiko empfiehlt sich CIF oder DAP.
Wie viel Gewicht kann ein 20-Fuß-Container tragen?
Ein Standard 20-Fuß-Container hat ein Bruttogewicht von 25–27 t. Die Ladefläche beträgt 5,9 m × 2,4 m.
Welche HS-Codes gelten für Carrara-Marmor?
Für Marmor (2515) und Granit (2516) sowie Steinblöcke (6802) gelten die jeweiligen Zolltarifnummern.
Wie lange dauert der Transport nach USA?
Typischerweise 20–25 Tage, plus 5–7 Tage für Zollabfertigung.